Eine Handreichung zur erfolgreichen Anfertigung von juristischen Klausuren:
Heute ist der Tag, an dem Du die Examensklausur im öffentlichen Recht schreibst? Die folgenden Ausführungen sollen Dir zeigen, wie Du am Klausurtag effizient vorgehst, insbesondere sol aufgezeigt werden, worauf Du bei Anfertigung Deiner Klausurbearbeitung besonders achten solltest. Wie teilst Du Deine Bearbeitungszeit sinnvoll ein? Wie überzeugst Du den Prüfer von Deinen Fähigkeiten?
Wichtig ist zunächst, dass Du Dir hinreichend darüber klar bist, dass die Bearbeitungszeit begrenzt ist. Dein oberstes Ziel sollte sein, die Klausur vor Ablauf der Bearbeitungszeit fertigzustellen. Unvollständige Klausuren werden in Prüfungen nur selten als bestanden bewertet.
Um eine Klausur innerhalb der vorgegebenen Bearbeitungszeit fertig stellen zu können, bedarf es einer genauen Planung. Die Bearbeitung der Klausur besteht dabei aus vier grundlegenden Schritten:
1. Lesen des Sachverhalts
2. Lesen des Bearbeitervermerks
3. Anfertigen einer Lösungsskizze
4. Anfertigen der Reinschrift
- Erster Schritt: Sachverhalt aufmerksam lesen
Lies den Sachverhalt zunächst ohne Anmerkungen oder Markierungen aufmerksam durch. Einige Prüflinge markieren bereits beim ersten Lesen vermeintlich wichtige Stellen oder notieren relevante Paragrafen. Dabei solltest Du bedenken, dass Du noch nicht wissen kannst, was eigentlich wichtig für die Lösung ist. Wenn Du schon beim ersten Durchgang Markierungen vornimmst, wird am Ende der gesamte Text bunt und die Markierungen verlieren ihren Sinn.
- Zweiter Schritt: Aufgabenstellung genau erfassen
Bevor Du den Sachverhalt noch einmal liest, lies die Aufgabenstellung und / oder den Bearbeitungsvermerk sorgfältig durch. Mach Dir klar, was genau in der Klausur verlangt wird? Anschließend solltest Du den Sachverhalt gezielt mit der Fallfrage im Hinterkopf lesen. Nun kannst Du auch Passagen markieren, die in der Lösung heranzuziehen sind. Entwickle im Zusammenhang mit der Aufgabenstellung eine erste Vorstellung der Lösung. Markiere die Passagen des Sachverhalts, die Probleme nach sich ziehen mit einem „P“. Soweit der Sachverhalt weiterhin ungewiss ist, lies den Sachverhalt erneut.
- Dritter Schritt: Lösungsskizze anfertigen
Für die Lösungsskizze solltest Du etwa 25 bis 40 % der Zeit einplanen – das hat sich als bewährte Strategie erwiesen. Die genaue Zeitaufteilung hängt von verschiedenen Faktoren ab: dem Umfang der Klausur, Deinem Kenntnisstand und Deinem Schreibtempo. Ein strukturierter Plan hilft Dir, nicht ins Stocken zu geraten. Fasse die Prüfungsschritte kurz zusammen und werde nur bei Problemfällen ausführlicher. Versuche, Deine Lösung in der Skizze bereits vollständig vorzubereiten – auch die Argumentation bei strittigen Punkten.
Behalte während der gesamten Klausur im Blick, dass der Sachverhalt nicht verändert werden darf. Er enthält alle nötigen Informationen zur Lösung, auch wenn manche Angaben überflüssig wirken. Wenn eine Aussage zu vage ist, interpretiere sie nicht über das Maß hinaus.
Schnelles Arbeiten, Zeiteinteilung und der Umgang mit komplexen Sachverhalten erfordern Übung. Häufiges Trainieren mit Probeklausuren verbessert Deine Routine. Dabei solltest Du nicht nur eine Lösungsskizze anfertigen, sondern auch eine vollständige Reinschrift schreiben. Nur so entwickelst Du das notwendige Zeitmanagement.
Kontrolliere in Deiner Lösungsskizze, ob alle relevanten Elemente des Sachverhalts berücksichtigt sind.
- Vierter Schritt: Anfertigung der Reinschrift
Eine gute Klausur erkennt man daran, dass sie die wichtigen Probleme klar herausarbeitet und raumgreifend bearbeitet. Daher sollten die problematischen Prüfungspunkten den größten Umfang einnehmen. Unproblematische Punkte kannst du hingegen kurz und prägnant darstellen.
Verwende grundsätzlich den Gutachtenstil. Damit wird eine juristische, logische Schlussfolgerung ausformuliert. Bilde alo zunächst einen Obersatzes. Definiere sodann die zu prüfende Voraussetzung, die im Obersatz bezeichnet wurde. Anschließend ist zu subsumieren, also darzustellen, ob der konkrete Sachverhalt unter die abstrakte Definition fällt. Endlich wird das Ergebnis formuliert und so die eingangs aufgestellte Hypothese bestätigt oder wiederlegt.
Es sind also grundsätzlich vier Schritte vozunehmen: Obersatz, Definition, Subsumtion, Ergebnis.
Die zuvor erläuterte 4-Schritt-Prüfung ist im Gutachten jedoch ausnahmsweise dann nicht notwendig, wenn der Sachverhalt eine Information eindeutig vorgibt oder diese offensichtlich ist. Ein durchgängig strenger Gutachtenstil ist somit nicht zwingend erforderlich. Mit einem prägnanten Satz zur Feststellung an der passenden Stelle demonstrierst Du, dass Du Schwerpunkte setzen kannst. Außerdem spart das Zeit ein, was in Klausuren von großem Nutzen ist.
Schreibe leserlich, strukturiere mit Überschriften und Absätzen. Das erleichtert dem Prüfer das Verständnis.
Behalte die Zeit im Blick und achte darauf, die Klausur vollständig zu bearbeiten.


Fazit
Eine erfolgreiche Klausurbearbeitung erfordert ein systematisches und planvolles Vorgehen. Wenn Du Dich während der Klausur an diese Anleitung hältst, wirst Du gute Ergebnisse erzielen. Klausurlösungen klar und strukturiert zu formulieren, braucht jedoch Übung. Nutze deshalb den Klausurenkurs Deiner Universität, um das Schreiben von Klausuren gezielt zu trainieren. Der Erfolg wird sich mit der Zeit einstellen.


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